Kooperationen

Incomindios ist Mitglied bei Multiwatch, OECD Watch und Recht ohne Grenzen

Wer wir sind

Seit 1974 setzt sich die Schweizer Menschenrechtsorganisation Incomindios für die Rechte der Indigenen Völker weltweit ein. Wobei ein besonderer Fokus auf Nord-, Mittel- und Südamerika gelegt wird. Seit 2003 hat Incomindios den Beraterstatus an der UNO (ECOSOC).

Wer ist indigen?

Die Frage, welche ethnische Gruppen als indigen bezeichnet werden können beziehungsweise sich selbst dieser Kategorie zuordnen, gibt weiterhin Anlass für Kontroversen. Letztlich enden alle Debatten immer wieder bei einer Arbeitsdefinition, die der ecuadorianische Anwalt und Diplomat José Martínez Cobo in seiner von den Vereinten Nationen in den 1970er Jahren in Auftrag gegebenen Studie zur Diskriminierung indigener Bevölkerungen formulierte.

Sie basiert auf verschiedene objektive Kriterien und einer subjektiven Selbstidentifikation. Zu den Gemeinsamkeiten indigener Gruppen zählt er die historischen Erfahrungen von Kolonialismus und Eroberung, die kulturelle Differenz von der nationalen Mehrheitsgesellschaft sowie die gegenwärtige Marginalisierung und Benachteiligung. Indigenität geht also nicht zwingendermassen mit einer bestimmten Lebensweise einher.
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Viel „Talk“ über den nötigen „Walk“ am dritten UN-Forum zu Wirtschaft und Menschenrechte

Die UNO-Leitprinzipien, Nationale Aktionspläne (NAP) und der Zugang zu Rechtsbehelf stellten die Themenschwerpunkte des dritten UN-Forums zu Wirtschaft und Menschenrechte in Genf dar. Durch eine gestiegene Zahl von indigenen Vertretern am Forum konnten die Stimmen der Indigenen Völker lauter wahrgenommen werden und ihre Meinung war präsenter als in den Jahren zuvor. Ihre Forderungen nach der Umsetzung der Menschenrechte und speziell des FPIC fanden hier ihren Platz, obwohl Dialogmöglichkeiten grösstenteils ausblieben.

Vom 1.-3. Dezember 2014 fand das dritte jährliche UNO-Forum für Wirtschaft und Menschenrechte in Genf mit über 2’000 registrierten Teilnehmern statt. Im Rahmen des Forums sollten Vertreter und Fachleute aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Regierung, den internationalen Organisationen und der betroffenen Menschen aktuelle Tendenzen und Herausforderungen in der Umsetzung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte * diskutieren und den Dialog sowie die Zusammenarbeit zu Themen im Zusammenhang mit Wirtschaft und Menschenrechten fördern. Der diesjährige Fokus des Forums sollte auf der Stärkung des Dialoges und des Einbezuges aller Beteiligten, der Diskussion Nationaler Aktionspläne (NAP), der Prüfung des Zuganges zu einem wirksamen Rechtsbehelf, sowie der Ermittlung derzeitiger und bewährter Praktiken liegen.

Die drei Tage waren lange und gefüllt mit Diskussionen zu den verschiedenen Themen. Insbesondere wurden die schwachen Durchsetzungsmechanismen vorhandener legaler Instrumente hervorgehoben und der schwer zu erreichende Rechtsbehelf als weiteres Versagen auf dem Weg zu Gerechtigkeit für die betroffenen Menschen festgehalten. Unternehmen wurden dazu aufgerufen, Menschenrechte zu respektieren und Mechanismen zur Umsetzung derer zu etablieren. Bezüglich der staatlichen Pflichten schienen die Regierungen bereit, ihre gegenwärtigen Gesetze und Politik zu überprüfen, allfällige Lücken aufzudecken, und diese mittels NAPs zu schliessen. Die indigenen Vertreter – aus ungefähr zwanzig Ländern – äusserten sich während dem indigenen Caucus (Vorbereitungstreffen an der UNO für indigene Vertreter) und den Parallelveranstaltungen des Forums aktiv dazu, wie negative Folgen der Unternehmenstätigkeit verringert und diesbezüglich Verantwortlichkeit geschaffen werden muss. Aus indigener Sicht müssten Staaten ihre nationale Gesetzgebung mit internationalen Konventionen und Standards vereinbaren und vor allem auch verbindlich danach handeln – sprich ihrer Verpflichtung, indigene Rechte zu schützen, in der Wahrheit auch nachkommen. Unternehmen dürften ihre wirtschaftliche und politische Macht nicht missbrauchen. Vor Beginn jeglicher Tätigkeit vor Ort müsse die freie, vorherige und informierte Zustimmung (engl.: free, prior and informed consent, FPIC) von den betroffenen indigenen Gemeinschaft eingeholt werden und Garantien für adäquate Kompensationszahlungen an dieselben ausgehändigt werden. Gegenwärtig wichen Konzernberichte stark von der indigenen Realität ab. Deswegen müssten Staaten für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen den Zugang zur Justiz sicherstellen und fördern; dazu gehöre auch die Stärkung der Unabhängigkeit der Judikativen wie auch die Bereitstellung der nötigen Ressourcen zur Unterstützung der Betroffenen. Zudem bemerkten indigene Delegierte auch, dass indigene Frauen in besonderem Masse von den Folgen der Unternehmenstätigkeiten betroffen seien und ihnen deswegen spezifisch Aufmerksamkeit zukommen sollte.

Victoria Tauli-Corpuz als zuständige UN-Sonderberichtserstatterin für die Rechte Indigener Völker betonte in mehreren Reden die Relevanz extraterritorialer Verpflichtungen der Staaten, die auch für die Einhaltung der Menschenrechte von internationalen Konzernen sorgen sollten. Zusätzlich wies sie auf die Folgen verschiedener bilateraler Investitionsabkommen hin, die ohne die Zustimmung der lokalen Bevölkerung und ohne einen möglichen Mechanismus, Klagen einzureichen, in indigenen Territorien implementiert wurden. Allgemein sieht sie die grösste Besorgnis in dem Machtungleichgewicht  zwischen den Indigenen Völkern und den Konzernen, welches zu einem erschreckend grossen Teil die Verhandlungen bestimmt.

Die eineinhalbstündige Parallelveranstaltung von Incomindios in Zusammenarbeit mit AIPNEE (Asia Indigenous Peoples Network on Extractive Industries and Energy) zu ‚Indigene Völker und die Rohstoffindustrie: Herausforderungen und der FPIC als Lösungsansatz’ war mit über siebzig interessierten Zuhörern gut besucht: Drei indigene Podiumsteilnehmer aus den U.S.A. , Niger und den Philippinen veranschaulichten kurz ihre konkrete Erfahrung der eigenen Gemeinschaft mit der Rohstoffindustrie und beleuchten dabei jeweils das Fehlen, Erkämpfen oder allgemeine Belange des FPIC. Ein Teil des Publikums war sich unklar darüber, was der FPIC eigentlich ist und wie er von den Unternehmen umgesetzt werden sollte. Die Podiumsteilnehmer rieten zu einem kontextspezifischen Vorgehen, das auf die unterschiedlichen Kulturen, Systeme und Gewohnheiten Rücksicht nehmen müsse und in Abklärung mit der indigenen Gemeinschaft entstehen soll. Eine simple Checkliste sei dafür ungeeignet. Wesentlich sei das Vorhandensein eines fairen, ausgeglichenen Nutzens – nicht nur wirtschaftlich, auch sozial und kulturell– für die indigene Gemeinschaft. Zurzeit gäbe es jedoch keinen Dialog, sondern einen blossen Monolog. Indigene Völker sollten auch das Recht haben, ‚nein’ zu sagen.

Zusammenfassend können wir dem dritten Forum zu Wirtschaft und Menschenrechte einiges Positives abgewinnen: Im Vergleich zum ersten Forum ist eine steigende Beteiligung indigener Vertreter zu verzeichnen. Auch der thematische Schwerpunkt hat sich zu Gunsten der Indigenen Völker entwickelt. Dieses Jahr fanden drei Parallelveranstaltungen zu relevanten Themen der Indigenen Völker statt, was allerdings gesamthaft nur 6 Prozent ausmachte. Indigene Teilnehmer bemängelten zudem, dass inhaltlich viel Repetition stattfand und zu wenige Dialogmöglichkeiten entstanden. Trotzdem waren sie froh, die Meinung ihres Volkes am Forum zu Wirtschaft und Menschenrechte vertreten zu können und wiesen darauf hin, dass fehlende finanzielle Mittel immer noch eine enorme Barriere zur Teilnahme an den UNO-Konferenzen darstellen. Abschliessend kann gesagt werden, dass es nun an den Staaten und Unternehmen liegt, die NAPs und UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, umzusetzen. Wie Mr. Michael Addo dies bereits gesagt hat: „Now that we have talked the talk, we need to walk the walk“.

* Im Jahr 2011 nahm der UNO-Menschenrechtsrat einstimmig die UNO-Leitprinzipien an. Sie basieren auf drei Säulen: ersten der staatlichen Pflicht Menschenrechte  zu schützen, zweitens der Unternehmenspflicht Menschenrechte zu respektieren, und drittens dem Recht der Opfer auf Zugang zu einem wirksamen Rechtsbehelf. Die Leitprinzipien sollen als globaler Standard zur Prävention und Bekämpfung des Risikos von negativen Auswirkungen auf die Menschenrechte im Zusammenhang mit Unternehmenstätigkeiten eingesetzt werden. In Bezug auf die praktische Umsetzung bestehen jedoch weiterhin erhebliche Herausforderungen.

 

Text: Jennifer Menn und Myriam Warmers

Fotos: Myriam Warmers


Webtimeline aufgrund technischer Probleme zurzeit nicht verfügbar

 

Die Webtimeline zu unserer 40-jährigen Vereinsgeschichte ist aufgrund technischer Probleme zurzeit nicht online verfügbar. Wir versuchen das Problem so schnell wie möglich zu beheben.

Wir bitten um Verständnis und Geduld…es lohnt sich!


Ständerat nimmt APK-Postulat zu Wiedergutmachung an

Der Ständerat hat Ende November dem Postulat 14.3663 zugestimmt. Dieses verlangt einen Bericht über den Zugang zu Wiedergutmachung für Opfer von Menschenrechtsver-letzungen durch Unternehmen. Damit ist nun der Weg frei, damit der Bundesrat eine gravierende Lücke für Opfer von Menschenrechtsver-letzungen schliessen kann. Die Koalition «Recht ohne Grenzen» fordert eine rasche und ausführliche Klärung der heutigen Situation und griffige Massnahmen für die Schweiz.

2012 wurde die Petition «Recht ohne Grenzen» eingereicht. Darin fordern die 135‘000 Unterzeichnenden, dass Schweizer Konzerne die Menschenrechte und den Umweltschutz weltweit respektieren und dass Betroffene hier in der Schweiz Wiedergutmachung einfordern können. Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats hat diesen zweiten Teil der Petition im heute vom Ständerat beschlossenen Postulat aufgenommen. Darin wird Aufklärung darüber verlangt, welche gerichtlichen und nicht-gerichtlichen Massnahmen in anderen Staaten umgesetzt werden, um Personen, deren Menschenrechte durch ein Unternehmen in einem Gaststaat verletzt wurden, einen effektiven Zugang zu Wiedergutmachung im Heimatstaat der Unternehmen zu ermöglichen. Zudem soll der Bundesrat prüfen, welche Massnahmen sich für die Schweiz eignen würden.

Mit der Annahme dieses Postulats hat der Bundesrat den Auftrag erhalten, den dritten Pfeiler der Uno-Leitprinzipen zu Wirtschaft und Menschenrechte («wirksame Wiedergutmachung») vertieft zu analysieren. Das ist notwendig, denn wie der Bundesrat in seiner Antwort auf das Postulat schreibt, bestehen in diesem Bereich bisher Lücken. Den Bericht will der Bundesrat in den Nationalen Aktionsplan (NAP) zur Umsetzung der Uno-Leitprinzipien integrieren (vgl. Po 12.3505)

«Recht ohne Grenzen» fordert den Bundesrat auf, die Arbeiten an diesem Bericht rasch an die Hand zu nehmen, damit der eigentlich für Dezember 2014 erwartete Nationale Aktionsplan (NAP) nicht noch weiter verzögert wird. Zudem erwartet die Koalition eine Klärung der heutigen Lücken im Schweizer Recht und griffige Massnahmen zur Verbesserung der Situation der Betroffenen.

Hier gehts zur offiziellen Medienmitteilung


Side Event am dritten Forum zu Wirtschaft und Menschenrechte: 2. Dezember in Genf


Incomindios E-Newsletter November 2014

In dieser Ausgabe des Incomindios-Newsletter berichten wir über unsere Teilnahme am Energiewendefestival sowie über die spannende Podiumsdiskussion über die Yasuní-Iniative. Auch möchten wir alle Interessierten zu den kommenden Veranstaltungen einladen: Diverse Aktivitäten im Rahmen der Kampagne 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und der Incomindios Weihnachts-Apéro. Zum Schluss stellen wir unser Jahresthema 2015 Indigene Frauen vor.     Zum E-Newsletter


Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne “16 Tage gegen Gewalt an Frauen”: 27.11 und 29.11


Die Weltkonferenz zu indigenen Völkern 2014

Am 22. September, dem ersten Tag der UNO Generalversammlung, wurde das Abschlussdokument anonym von den Mitgliederstaaten angenommen. Auch die USA, Kanada, Neuseeland und Australien, die sich 2007 gegen die UNO-Deklaration ausgesprochen haben, stimmten dem Abschlussdokument zu. Dieses Dokument soll in Zukunft die Richtlinien zur Implementierung  der indigenen Rechte, welche in der UNO-Deklaration von 2007 festgehalten wurden, festlegen und somit die Kluft zwischen Versprechen und Realität schliessen. Dennoch kam es während der Annahme des Dokuments zu leichten Spannungen: So nahm Kanada das Abschlussdokument zwar an, bemerkte aber, dass sie das Konzept des ‚free, prior and informed consent’ (FPIC) nicht unterstützen können: „Canada cannot associate itself with the elements contained in this outcome document related to free, prior and informed consent”. Grund dafür sei der Widerspruch mit der kanadischen Verfassung, weil das Konzept des FPIC als Veto-Recht der indigenen Völker interpretiert werden könne. Zwar sieht die kanadische Verfassung eine Konsultation der betroffenen indigenen Völker als notwendig an, dennoch wollen sich ihre Vertreter nicht von der Zustimmung der indigenen Völker abhängig machen. Der regionale Vorsteher der Assembly of First Nations, Perry Bellegarde, drückt dies wie folgt aus: „Canada has contradicted it’s endorsement of the UN Declaration on the Rights of Indigenous Peoples. Canada interprets free prior informed consent as consultation, not consent, as shown in the recent Supreme Court decision regarding the Tsilhqot’in lands“. Weiter verdeutlicht das angenommene Abschlussdokument klar die Notwendigkeit nationaler Aktionspläne, um die Prinzipien der UNO-Deklaration von 2007 konkret umsetzen zu können.

 

© WCIP2014

Nach der Annahme lag der Fokus der Konferenz vor allem auf den Rechten der indigenen Frauen und der stark präsenten Gewalt gegen sie, den Herausforderungen für die heutige Jugend, die indigene Sprache und das traditionelle Wissen zu erhalten sowie der Erfordernis, eine nachhaltige Lebensgrundlage für die indigenen Völker zu gewährleisten. Zusätzlich wiesen die daraus entstandenen Diskussionen nochmals darauf hin, dass durch den Verlust des traditionellen Landes auch der Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen verwehrt wird, und dass nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung im Einklang mit den lokalen kulturellen Werten stehen muss. Zudem wurden die Mitgliederstaaten dazu aufgerufen, die Relevanz funktionierender indigener Wirtschaftssysteme zu erkennen, welche einen zentralen Beitrag zur nationalen und regionalen Wirtschaft leisten können.

 

Ein Ausblick

Die klare Forderung nach staatlichen Aktionsplänen zusammen mit der Stärkung des UNO-Systems mittels angepasster Mandate und zusätzlicher Kontrollmechanismen gibt den indigenen Völkern die Hoffnung auf eine effektivere Durchsetzung ihrer Rechte gemäss der UNO-Deklaration. Dennoch möchten wir den Tag nicht vor dem Abend loben. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die Vereinbarungen im Abschlussdokument auf das Leben der indigenen Völker konkret auswirken werden. Die nächste Gelegenheit für die internationale Gemeinschaft ein weiteres positives Zeichen für die indigenen Völker zu setzen, ist die post-2015 Entwicklungsagenda, wo sich zeigen kann, inwiefern der FPIC und die Integration eigener Perspektiven und Erkenntnisse der indigenen Völker berücksichtigt werden.

 

Weitere Informationen

 


Die Yasuní-Initiative: Zu visionär, um wahr zu sein?

Text: Gilliana Steffen, Simona Kobel

Rund 40 Interessierte verfolgten am Abend vom 17. September 2014 im Corner College Zürich die Podiumsdiskussion zur Yasuní-Initiative. Die Podiumsdiskussion wurde durch Freiwillige der Arbeitsgruppe UNO von Incomindios organisiert. Drei Fachpersonen diskutierten zu Themen wie Selbstbestimmungsrechte Indigener Völker, Biodiversitätsschutz, Ölförderung und Klimaschutz sowie über die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, der Konsumenten und der Erdölindustrie. Das Publikum diskutierte fleissig mit und stelle spannende Fragen.

2007 hat die ecuadorianische Regierung vorgeschlagen, die Erdölvorkommen im Yasuní-Nationalpark nicht zu fördern, wenn mindestens 50% des entgangenen Umsatzes als Ausgleichs-zahlungen durch die internationale Gemeinschaft abgedeckt werden. Bis 2013 wurden jedoch lediglich 0,37% des geforderten Betrags in den UNO-Treuhandfonds einbezahlt und Ecuadors Präsident, Rafeal Correa, verkündete das Scheitern der Initiative. Die Yasuní-Initiative war in ihrer Art einmalig und sollte nicht nur die in freiwilliger Isolation lebenden Indigenen Völker, sondern auch die einzigartige Biodiversität im Biosphärenreservat schützen.

 

Gründe für das Scheitern der Yasuní-Initiative

Die Yasuní-Initiative wurde der Weltgemeinschaft als visionäres Pionierprojekt präsentiert und von vielen als grosse Chance gesehen. Auch die eingeladenen Diskussionsteilnehmer Dr. Rolf Hartl (Präsident Erdölvereinigung Schweiz), Christoph Wiedmer (Geschäftsleiter Gesellschaft für bedrohte Völker) und Christoph Hüsser (Vize Präsident Pro Indígna) zeigten sich beeindruckt vom neuen Ansatz Ecuadors. So sehr sie deren Scheitern bedauerten, überrascht waren sie darüber jedoch nicht.

Die drei Diskussionsteilnehmer Dr. Rolf Hartl (Präsident Erdölvereinigung Schweiz), Christoph Wiedmer (Geschäftsleiter Gesellschaft für bedrohte Völker) und Christoph Hüsser (Vize Präsident Pro Indígna) mit der Moderatorin Helena Nyberg (Foto: Roberto Farquharson).

Nach der offiziellen Version von Correa scheiterte die Initiative, weil die internationale Gemeinschaft Ecuador „im Stich gelassen habe“. Ecuador hätte die finanziellen Mittel dringend benötigt, um gegen die Armut im Land anzukämpfen, so Correa weiter. Für Dr. Rolf Hartl ist klar, dass für Correa am Ende zählte, wie das verschuldete Ecuador zu Geld kommt. Weil der grösste Teil des Staatsbudgets aus der Erdölförderung stammt, seien die aktuellen Förderpläne eine rein innenpolitische Entscheidung.

Die fehlende Bereitschaft zur finanziellen Beteiligung seitens der internationalen Gemeinschaft begründete Christoph Wiedmer unter anderem damit, dass die Initiative keinerlei Garantie geben konnte, dass das Erdöl nicht doch irgendwann in Zukunft gefördert werden würde.

Christoph Hüsser, der die Folgen der Erdölförderung bei zahlreichen Besuchen in Ecuador mit eigenen Augen gesehen hat, geht es vor allem um die Konfrontation verschiedener Weltanschauungen. Seiner Meinung nach unterschätze Correa die Volksbewegung, die durch die aktuellen Erdölpläne entstanden ist. Er rechnet mit massivem Widerstand der Bevölkerung gegen die Regierung.

Rund 40 Personen verfolgten interessiert die Podiumsdiskussion im Corner College, diskutierten mit und stellten Fragen (Foto: Roberto Farquharson)

Die Frage der Verantwortung

An der Podiumsdiskussion wurde ausserdem der Frage nach der Verantwortung für den Schutz Indigener Völker und der Biodiversität nachgegangen. Dr. Rolf Hartl betonte, dass vor allem der Staat für den Schutz seiner eigenen Ressourcen verantwortlich ist. Die Aufgabe der Erdölindustrie bestehe darin, die Nachfrage nach Energie zu decken. Der Druck auf börsenkotierte Unternehmen, Umwelt- und Sozialstandards verstärkt zu berücksichtigen, sei aber gestiegen.

Mit dem Publikum wurde zudem diskutiert, ob die internationale Gemeinschaft überhaupt für die Nichtförderung von Ressourcen anderer Staaten aufzukommen hat. Wäre die Initiative erfolgreich gewesen, hätten möglicherweise weitere Staaten finanzielle Mittel für den Schutz ihrer Ressourcen angemeldet.

Zum Schluss wies Christoph Wiedmer auf die Selbstbestimmungsrechte Indigener Völker hin. Sie sollten zwingend vorgängig über Vorhaben in ihren Territorien informiert werden und die Möglichkeit erhalten, mitzubestimmen (free, prior and informed consent). Dabei müsse auch akzeptiert werden, wenn Indigene Völker der Erdölförderung in ihrem Gebiet zustimmen und Verträge mit Firmen aushandeln.

Der Apéro bot die Möglichkeit, sich mit den Fachpersonen auszutauschen (Foto: Roberto Farquharson).

 

Am anschliessenden Apero mit südamerikanischen Spezialitäten wurde die Diskussion noch lange weitergeführt.

 


 


Internationaler Tag der indigenen Frau

 

Am 5. September 1983 wurde in Bolivien anlässlich der zweiten Zusammenkunft von Organizaciones y Movimientos de América der internationale Tag der indigenen Frau ins Leben gerufen. Zu Ehren von Bartolina Sisa, einer mutigen Frau vom indigenen Volk der Aimara, welche sich gegen die Herrschaft und Unterdrückung der spanischen Eroberer aufgelehnt hatte. Am 5. September 1782 war sie in La Paz (Bolivien) brutal ermordet und zerstückelt worden. Der Tag wird vor allem in Ländern der Andenregion gefeiert, wie Argentinien, Bolivien, Chile und Peru, als Aufruf für eine Besserung der Lage der indigenen Frauen.

Anlässlich des internationalen Tages der indigenen Frau möchten wir auf die Situation und die Anliegen der indigenen Frauen weltweit aufmerksam machen: weiterlesen


Zum Internationalen Tag der Indigenen Völker am 9. August – Incomindios Jahresthema „Indigene Ernährungsautonomie“

Copyright: Samuel Cauper

Viele Indigene Völker sind von jahrelanger Ausbeutung und Ausgrenzung geprägt, was sich besonders in ihren Bemühungen um den Erhalt ihrer Boden- und Menschenrechte zeigt. Globale Konzerne nehmen ihnen oftmals ihren natürlichen Lebensraum weg oder verwüsten und verschmutzen ihre Lebensgebiete. Von ihrer Lebensgrundlage beraubt, werden sie mit den tragischen Folgen von Unterernährung und Hunger konfrontiert. Obwohl die Staaten die Pflicht haben, das Recht auf Nahrung der schwächsten Bevölkerungsschichten, darunter der Indigenen, zu gewährleisten und zu schützen, wird dies oft nicht umgesetzt.

Zwar ist die Nahrungsvielfalt in den Regenwäldern und den indigenen Territorien vorhanden, der Zugang wird den ansässigen Indigenen Völkern jedoch oftmals verwehrt. Laut den Ernährungsstatistiken der UNO gibt es weltweit etwa 870 Millionen Menschen, welche sich nicht ausreichend ernähren können, und mehr als zwei Millionen, welche an einem Mangel an Mikronährstoffen leiden.

Aus all diesen Gründen hat Incomindios „Indigene Ernährungsautonomie“ als Jahresthema 2014 gewählt. Die indigenen Gemeinschaften sollen bei ihrem Zugang zu Nahrungsressourcen unterstützt werden, damit sie sich selber ernähren können und nicht auf externe Märkte und Supermarktprodukte angewiesen sind. Optimal wäre der ökologische Landbau zur eigenen Nahrungssicherung. Weiterlesen